Flurnamensammlung Holzhausen
von Otto Beck (*1927 +2004)


11 Gähnender Stein, Kunofelsen (mü)

Gähnender Stein

Lage:
Der steile Felsabbruch gegen das Neckartal und Sulz und die Bergfelder Klinge bildet den fast rechtwinkligen "Gähnenden Stein" (gehnender Stoà). Geologisch führt eine Verwerfung zur Bergfelder Klinge zum Einbruch (Graben) unterhalb des Felsens. Verwerfung und Verkarstung öffnen und vertiefen diese Spalte immer mehr. Vielleicht hatte auch die Sprengung des Saline-Stollens (1945/46) durch die Franzosen zur Erweiterung beigetragen. Am Fußweg vom Gähnenden Stein nach Sulz ist die Erweiterung deutlich zu erkennen.

Namensnennungen in historischen Dokumenten:
  • 1480 - unter dem Ginenden / Gynenden stain
  • 1561 - underm Ginenden stain
  • 1755 - Gennende Stein
  • 1792 - Göhnenden Stein

Name:
gähnen = den Mund weit aufsperren; große Spalte zwischen der Felswand und dem "Bärentanz" gäh = jäh = steil abfallend, abschüssig, z.B. "dachgäh".

Kunofelsen benannt nach Graf Kuno von Üxküll-Gyllenband
Der Oberförster des damaligen Oberamtes Sulz, Graf Kuno Otto von Üxküll-Gyllenband, geboren 1800 in Ludwigsburg, wurde im Jahre 1831 vom Förster des Forstrevieres Herrenalb nach Sulz zum königlich-württembergischen Oberförster befördert. Er bezog zuerst Wohnung in Holzhausen und hat den "Gähnenden Stein" zu einem Aussichtspunkt hergerichtet. Im Jahre 1841 haben die Sulzer Bürger ihm zu Ehren einen Gedenkstein aufgestellt. Im Nebenamt wurde er 1836 Direktor der Sulzer Seidenfabrik, 1847 zum Kommandant der Bürgerwehr und zum ersten Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Bezirksvereines gewählt. Im Jahre 1847 verstarb seine erste Ehefrau Eleonore. Nach den Revolutionswirren (1848) wurde er im November 1852 zum Forstamt Ensingen (Vaihingen/Enz) strafversetzt, obwohl er in den vorausgegangenen Gerichtsverhandlungen in Ludwigsburg freigesprochen wurde. 1854 beantragte er für seine zukünftige zweite Ehefrau die Bürgerrechte in Holzhausen, dies könnte in Verbindung gebracht werden mit einem freien Zugang zu diesem Aussichtspunkt für seine Frau. Seinen Ruhestand verbrachte er bei seinem Sohn in Cannstatt (Stgt) wo er als 86-jähriger verstarb.

Gedenkstein für Graf Kuno vonv 	Üxküll-Gyllenband

 
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