Flurnamensammlung Holzhausen
von Otto Beck (*1927 +2004)
Internetbearbeitung: Theo Plocher 2008


Flurnamen
Unsere Flurnamen sind im Laufe der Geschichte und der Entwicklung unseres Dorfes mit seinem Umland (Feldmark) entstanden. Die Menschen damals haben sehr genau beobachtet und Bezeichnungen (Namen) gefunden, die der Sachlage entsprachen. So unterscheiden wir die natürlichen Verhältnisse in der Flur als Naturnamen und andere, die auf das Wirken der Menschen hinweisen als Kulturnamen.

Die Naturnamen umfassen alles, was das Gelände und die Natur bezeichnen:
1. Berge, Hügel, Hänge, Ebenen, Senken, Täler, Schluchten
2. Beschaffenheiten des Bodens und der Landschaft: Farben, Gestein, Erdschichten, Gestalt, Größe, Lage,
3. Fließende und stehende Gewässer: Flüsse, Bäche, Quellen, Seen, Sümpfe, Weiher,
4. Natürlicher Bewuchs der Urlandschaft: Baumarten, Hecken, Sträucher, Pflanzen und Tiere.

Die Kulturnamen weisen auf Verhältnisse, die durch die Einwirkung des Menschen entstanden sind: 1. Sie umfassen Zurichtungen der Landschaft und ihre Nutzung als Acker-, Wiesen-, Wald- und Weideland.
2. Es sind Bauwerke für Mensch und Vieh. - Auch Burgen, Schlösser, Kirchen, Kapellen, Gehöfte.
3. Verschiedene Verkehrsträger: Straßen, Wege, Steige, Brücken, Stege, Fußwege,

Das Alter der Flurnamen läßt sich heute nur schwer bestimmen, da aus frühester Zeit nur wenige schriftliche Überlieferungen vorhanden sind. Die ältesten Namen können schon zur Römerzeit und der nachfolgen-den Landnahme ( um 300 - 400 n. Chr.) der germanischen Stämme entstanden sein.

Neue Besiedlungen (sog. Ausbau-Siedlungen) und damit verbunden waren Fluranbau und Rodung. Erst schriftliche Urkunden des Mittelalters haben gewisse Überlieferungen geschaffen, wobei Aussprache und oft verschiedene Schreibweisen nicht immer eindeutige Klarheit erbrachten.

Im 19. und 20. Jahrhundert sind viele alte Namen durch die Einwirkung des Menschen auf die Landschaft verändert worden oder verschwunden. Dazu kam, daß in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Landesvermessung (1818 - 1848) und; damit die Parzellen-Nummern aller Flurstücke den Flurnamen ihre wichtige Bedeutung genommen wurde. In den Flurkarten von 1835 sind nur wenige Flurnamen enthalten und umfassen oft größere Gebiete der Gemarkung. - Der örtliche Landmann hat aber immer noch genauer unterschieden und zusätzliche und treffendere Namen verwendet. Dabei sind auch Familiennamen oder Handwerkernamen entstanden z.B. Krämeracker, Schmiedacker, Bernhardts Reute ...
Eine umfassende und entscheidende Veränderung brachte die Flurbereinigung (1960 - 1965). Viele Wege verschwanden, andere wurden begradigt und umgelegt. Das neue Wegenetz entstand auf dem Zeichenbrett und zerlegte alte Feldfluren in große rechteckige Flurstücke, die kaum mehr einen Bezug zu den alten Flurnamen haben.

Nach der Flurbereinigung haben viele Kleinbauern ihre Nebenerwerbslandwirtschaft aufgegeben und ihre neuen Parzellen an den angrenzenden Großbauern verpachtet oder verkauft. Heute (1996) bewirtschaften wenige Großlandwirte und einige Nebenerwerbslandwirte die ganze Gemarkungsfläche.
Großlandwirte: Schneider Jakob, Lebold Hans, Walter Hans, Wegenast Karl, Rosenfelder Helmut.
Nebenerwerbslandwirte: Müller Kurt, Guhl Kurt, Plocher Hans (Glaser), Plocher Erwin, Strobel Fritz, Armbruster Hans,

Die Erschütterung dieses Jahrhunderts mit der großen Völkerbewegung hat auch unser Dorf betroffen. Nur wenige Bewohner haben noch Bezug zur Landschaft und Feldflur. So sind es wohl nur wenige, die den alten Geist volkstümlichen Denkens weiter tragen werden. Haben diese wenigen, die noch in irgend einer Beziehung zum Boden und zur Feldflur stehen, das Bedürfnis, ihre Teile zu nennen und alte Flurnamen aufrecht zu erhalten? Gibt es im neuen Jahrtausend noch Menschen in unserem Ort, die aus welchen Gründen auch immer, sich für die früheren Flurnamen interessieren? Ihnen möge diese Flurnamen Sammlung Anhaltspunkte geben.

- im April 1996 -

Otto Beck

Anmerkung: Diese Flurnamen sind teilweise aus Flurkarten entnommen, dann sind sie amtlich (a). Viele sind nur mündlich überliefert und haben im Laufe der Zeit Umwandlungen erfahren, so dass ihre frühere Aussprache nicht mehr überliefert ist (mü). Mancher Flurname ist auch unseren ältesten Einwohnern nicht mehr bekannt, so dass die genaue Lokalisierung nicht mehr möglich ist (z.B. "Rauhe Äcker").

Literatur:
Keinath, WalterOrts- und Flurnamen in Württemberg (1951)
Maier, Armin Die Flurnamen der Stadtmarkung Sulz am Neckar 1994
Fischer, Hermann Schwäbisches Handwörterbuch (1986)
Stadtarchiv Sulz/N. "Sulzer Heimat" (Beilagen des Schwarzwälder Boten Oberndorf)
Beck, Otto Geschichte zur Holzhauser Feuerwehr Festschrift 125 Jahre FFW Holzhausen (1985)
Gymnasium Sulz/N. Sammlung von Sagen aus Sulz/N.(1984)
Bürgermeisteramt Dienstbuch des Feld- und Waldschütz von Holzhausen (1891 - 1935)

Dazu kamen viele Anregungen und Hinweise von Holzhauser Bürger und Bürgerinnen, die aus eigenen Erinnerungen Flurnamen noch wussten. Ihnen allen möchte ich meinen Dank aussprechen.

Ein besonderer Dank gilt:
Jakob Schneider, Landwirt, Holzhausen
Theo Plocher, Geometer, Holzhausen