Holzhausen
Nachtübung- Rückblick Drucken E-Mail

Dichter Rauch dringt aus einem Einfamilienhaus in Holzhausen. Die Eltern flüchten mit ihren drei Töchtern überstürzt aus dem Haus. Doch wo ist der Sohnemann? Das war das Szenario, das die Holzhauser Feuerwehr bei ihrer nicht angekündigten Nachtübung am Freitag vorfand.

Zwölf Minuten nach der Alarmierung  fuhr das betagte  Holzhauser Feuerwehrauto ins Baugebiet Brunnenkohl und tastete sich zum „Brandobjekt“ vor, das am Ende einer schmalen Stichstraße steht Dort fand Holzhausens Abteilungskommandant Alex Lenze  eine aufgeregte Familie vor , die ihren Sohn vermisste. Der war noch in der verqualmten Wohnung im Erdgeschoss. Während sechs Feuerwehrleute flugs die Wasserversorgung über den gut 50 Meter entfernten Hydranten in der Straße „Im Brunnenkohl“ aufbauten, drangen zwei Atemschutzgeräteträger ins Haus ein und durchsuchten Raum für Raum die verrauchte Wohnung. Im Wohnzimmer fanden sie schließlich Sohnemann Linus am Boden liegend. Die beiden Wehrleute brachten den Filius der Familie Thiel ins Freie und begannen mit der Erstversorgung des Jungen, während die anderen Wehrleute schnell „Wasser marsch“ melden konnten.

 

Stadtbrandmeister Eugen Heizmann sagte nach der Übung, „mit dem alten Fahrzeug fand die Übung unter erschwerten Bedingungen statt, wobei die Alarmierung in Holzhausen noch über die Sirene erfolgte.“ Das dürfte die letzte Übung unter solchen Bedingungen gewesen sein, denn zum einem kommen im kommenden Jahr die neuen Funkmeldeempfänger, wodurch jeder Feuerwehrmann direkt „angepiepst“ wird. „Die digitale Alarmierung ist in Reichweite“, sagte Heizmann.  Zum anderen erhält Holzhausen eine neues Tanklöschfahrzeug (MLF), das dann für den ersten Löschangriff auch mindestens 600 Liter an Bord hat. Das Fahrzeug könnte noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Auch die Feuerwehrabteilung in Hopfau wird zeitgleich ein solches Fahrzeug erhalten.

Heizmann zollte der Holzhauser Wehr ein dickes Lob für „die gelungene Nachtübung, die nicht angesagt war,  zu einer ungewohnten Zeit. Dennoch habt ihr eine komplette Gruppe zum Einsatz gebracht. Da hat man gesehen, dass man sich im Ernstfall auf die Wehr verlassen kann.“ Auch Ortsvorsteher Lutz Strobel war angetan von der schnellen Rettung des vermissten Kindes. Strobel sprach neben der Feuerwehr auch Stadtbrandmeister Eugen Heizmann seinen Dank aus, besonders dafür, dass sich Heizmann immer für die Belange der Feuerwehren, auch in den Ortsteilen, einsetze. Und Strobel war schon in Vorfreude auf das neue Löschfahrzeug, „das wir vielleicht als Weihnachtsgeschenk erhalten.“ Weitsicht bewies Urs Thiel, in dessen Haus die Nachtübung stattfand. „Ich habe Hochachtung vor jedem Feuerwehrmann und  jeder Feuerwehrfrau. Und weil ich weiß, dass Löschen durstig macht, gibt’s jetzt einen kleinen Umtrunk“, und lud dazu die Wehrleute in seine Garage ein.  kpd

 

Nachtrag

Unangekündigte Nachtübungen der Feuerwehren haben ja gerade ihren Reiz darin, dass sie unangekündigt sind. Die Wehrleute wissen lediglich, in welchem Monat die Nachtübung stattfindet, aber weder Tag noch Uhrzeit.  Normalerweise wird die Nachtübung von Stadtbrandmeister Eugen Heizmann meist so zwischen  20.30 Uhr und 21.30 Uhr angesetzt, in Holzhausen überraschte Heizmann die dortigen Wehrleute mit der Alarmierung aber schon um 19.50 Uhr. „I war grâd im Schlofzimmer ond hab zu meim Weib gsagt, i muaß jetzet gâu“, ließ Holzhausens Feuerwehrkommandant Alex Leuze wissen. Erst auf das heftige Gelächter der Umstehenden schob Leuze nach: „Net was ihr denket, mei Weib war in der Küch'“...